Nach sieben Jahren FCRJ – 132 Partien, einem Aufstieg und unzähligen Emotionen zog die Mittelfeldakteurin in der Winterpause einen Schlussstrich unter ihre Zeit beim FC Rapperswil-Jona. Sie war über Jahre Identifikationsfigur, Leaderin, Herzstück – nun spricht sie offen über die Gründe für den Rücktritt und darüber, weshalb sie der Fussball trotz allem nicht loslassen wird.
Gianna Klucker, sieben Saisons, 132 Spiele – mit welchem Gefühl verabschiedest du dich vom FC Rapperswil-Jona?
Sehr emotional, ehrlich gesagt. Sieben Jahre sind eine sehr lange Zeit, und der Verein ist mir extrem ans Herz gewachsen. Deshalb fällt mir der Abschied nicht leicht – es ist ein bisschen ein Abschied mit zwei Augen: mit einem traurigen, weil ich viel zurücklasse, und mit einem lachenden, weil ich unglaublich viel erleben durfte und sehr dankbar bin.
Trotzdem ziehst du einen Schlussstrich. Warum gerade jetzt?
Der Fussball liegt mir nach wie vor sehr am Herzen – daran hat sich nichts geändert. Aber in letzter Zeit hat sich einiges verändert: die Philosophie, das Team, die Dynamik. In der Vorrunde habe ich gemerkt, dass mir zunehmend die Freude fehlt. Und wenn ich etwas mache, dann möchte ich voll dahinterstehen. Als ich gemerkt habe, dass das nicht mehr der Fall ist, musste ich ehrlich zu mir selbst sein.

Gab es einen Schlüsselmoment – oder war es eher ein schleichender Prozess?
Es war definitiv ein Prozess. Viele kleine Dinge, die sich über längere Zeit angesammelt haben. Irgendwann wusste ich einfach: So fühlt es sich für mich nicht mehr richtig an.
Wenn du sieben Jahre zurückblickst: Wie hat sich der Frauenfussball beim FCRJ verändert?
Extrem. Als ich kam, haben wir gefühlt auf den hintersten Trainingsplätzen trainiert – im Stadion zu spielen war damals kaum vorstellbar (lacht). Wir waren in der NLB und hatten wenig Aufmerksamkeit. Heute spielen wir fix im Stadion, trainieren auf sehr guten Plätzen, und mit dem Aufstieg kamen professionelle Strukturen. Das ist eine beeindruckende Entwicklung. Auf das, was wir gemeinsam aufgebaut haben, dürfen wir sehr stolz sein – und ich weiss, dass ich dazu meinen Teil beigetragen habe.
Was war dein persönlich grösster Moment im FCRJ-Trikot?
Der Aufstieg in die Axa Women’s Super League war ein riesiges Highlight. Das waren unvergessliche Emotionen die ich beim FCRJ erleben durfte, die ich nie vergessen werde. Ein weiterer Meilenstein war der 2:0-Sieg gegen den FC Basel in der Vorrunde. Das war unser erster Sieg gegen einen «Grossen». Da wussten wir: Wir haben ein Niveau erreicht, auf dem wir auch mit grossen Teams wirklich mithalten können.
Du warst eine konstante Grösse – hat dich nie ein Wechsel gereizt?
Ich habe eineinhalb Jahre in den USA gespielt, deshalb stand ein Auslandabenteuer später nicht mehr im Vordergrund. Und ehrlich gesagt: Ich wollte nie weg. Ich habe mich regelrecht in diesen Verein verliebt, es hat einfach alles gepasst.
Jetzt ist der Rücktritt da – wie sieht deine fussballerische Zukunft aus?
Das lasse ich bewusst offen. Zuerst brauche ich Zeit, um diesen Entscheid zu verarbeiten. Ich wollte nichts überstürzen oder direkt zu einem anderen Verein wechseln. Aber ganz ohne Fussball wird es sicher nicht gehen. Es kann gut sein, dass ich irgendwann wieder spiele – oder vielleicht sogar den Weg Richtung Trainerin einschlage.

Was wünschst du dir für den FC Rapperswil-Jona – und für dich selbst?
Dem Verein wünsche ich, dass er den eingeschlagenen Weg weitergeht und den Frauenfussball weiter stärkt. Und mir selbst wünsche ich, dass ich die Leidenschaft für den Fussball in einer neuen Form weiterleben kann – mit derselben Begeisterung wie in den letzten sieben Jahren.