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FCRJ Unified: «Ein Tor kann hier grösser sein als ein Titel»

Beim FC Rapperswil-Jona wird Inklusion nicht diskutiert, sondern gelebt. Im Zentrum stehen Menschen mit Behinderung, die hier Fussball spielen, sich entwickeln – und Teil einer Gemeinschaft sind. Seit einem Jahr trainiert das FCRJ-Unified-Team und zeigt, was passiert, wenn Fussball mehr ist als ein Spiel.

Ein Junge steht auf dem Feld, ruhig, schüchtern, fast eine Stunde lang. Dann fasst er sich ein Herz, läuft los, trifft – und wird gefeiert, als hätte er gerade die Champions League entschieden. Es sind solche Momente, die erklären, worum es bei FCRJ Unified geht. Nicht um Resultate, sondern um Mut, Entwicklung und Zugehörigkeit. Ein Gespräch mit Dave Tschirky über ein Projekt, das den Fussball verändert – und die Menschen darin.

Dave, was genau ist FCRJ Unified – und wo ist es im Club angesiedelt?
FCRJ Unified ist kein eigenständiger Verein, sondern ein integraler Bestandteil des FC Rapperswil-Jona. Genau das ist entscheidend: Unsere Spielerinnen und Spieler sind vollwertige Mitglieder – nicht einfach eine separate Trainingsgruppe. Wir stehen für Fussball für alle. Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sollen bei uns nicht am Rand stehen, sondern mitten im Clubleben.

Ihr habt ein Zertifikat erhalten. Was bedeutet das konkret?
Es ist ein klares Bekenntnis zur Inklusion. Es zeigt: Wir meinen es ernst. Wir öffnen unseren Verein bewusst für Menschen, die beim Fussball oder anderen Sportarten oft ausgeschlossen sind – und schaffen Strukturen, damit sie regelmässig trainieren, sich entwickeln und dazugehören können.

Wie entstand die Idee – und wie wurde sie Realität?
Der Anstoss kam über das Label «Sport-verein-t». Wir wurden angefragt, ob wir uns ein Inklusions-Team vorstellen könnten. Die Antwort war schnell klar: Ja, unbedingt. Danach begann die eigentliche Arbeit. Wir mussten Kapazitäten prüfen, Trainerinnen und Trainer mit entsprechender Ausbildung finden – im Bereich Handicap-Sport – und ein Netzwerk aufbauen.

Ein wichtiger Schritt war die Zusammenarbeit mit heilpädagogischen Schulen. So konnten wir Menschen erreichen, für die dieses Angebot gedacht ist. Im März 2025 sind wir dann gestartet.

Ihr arbeitet mit Swiss Inclusive Sport und Insieme Rapperswil-Jona zusammen. Wie funktioniert diese Partnerschaft?
Man kann sich das wie ein starkes Dach vorstellen. Die Organisationen leisten enorm viel im Hintergrund: Sie machen auf Angebote aufmerksam, vermitteln Interessierte, organisieren Turniere, bieten Weiterbildung für Trainer an und helfen bei organisatorischen Fragen. Ohne diese Unterstützung wäre ein Projekt in dieser Qualität kaum möglich.

War der Weg von der Idee zur Umsetzung steinig?
Er ist es teilweise noch. Trainer zu finden war überraschend einfach – da haben sich engagierte Leute gemeldet. Die grössere Herausforderung ist, genügend Spielerinnen und Spieler zu gewinnen.

Aktuell zählen wir rund 25 Teilnehmende im Alter von fünf bis über dreissig Jahren. Im Training sind im Schnitt etwa 10-15 dabei. Mit wachsender Nachfrage stossen wir langsam auch an infrastrukturelle Grenzen – Plätze werden zum Thema.

Wie muss man sich ein Training vorstellen?
Es sind intensive, oft berührende Momente. Ich erinnere mich an einen Spieler, der sich lange zurückgezogen hat, fast eine Stunde lang. Dann hat er sich überwunden, ins Spiel gefunden – und ein Tor geschossen. Was dann passiert ist, vergisst man nicht: Dieses Tor wurde gefeiert wie ein Champions-League-Sieg. Diese pure Freude, dieser Mut, dieser Entwicklungsschritt – das ist der Kern unserer Arbeit.

Was mich besonders beeindruckt: Die Spieler helfen einander. Sie haben Geduld, unterstützen sich, gönnen sich jeden kleinen Erfolg. Es geht nicht nur ums Gewinnen – es geht ums Dazugehören.

Ein Jahr später: Dein Fazit?
Wir sind auf Kurs. Wir haben etwas aufgebaut, das funktioniert und wächst. Eine stabile Trainingsgruppe steht, die Begeisterung ist da. Und wir spüren: Da geht noch mehr.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ein grosses Ziel ist die Teilnahme an Turnieren. Bislang fehlte uns dafür schlicht die Anzahl Spieler. Mein Wunsch ist, dass wir in den nächsten zwei Jahren mit einem eigenen Team antreten – gegen Mannschaften aus Zürich, Basel oder anderswo. Das wäre nicht nur ein sportlicher Schritt, sondern ein starkes Zeichen: Wir gehören dazu. (rlu)