AWSL: FCRJ Frauen – FC Luzern 4:1 (2:1)
Es gibt Siege, die stehen am Ende einer Phase. Und es gibt solche, die eröffnen ein neues Kapitel. Der 4:1-Erfolg der FCRJ-Frauen gegen Luzern gestern Samstag gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Wer im Grünfeld war, spürte sofort: Dieses Team hat in den vergangenen Wochen etwas aufgebaut – Selbstverständnis, Spielfreude, Widerstandsfähigkeit. Und es hatte keinerlei Absicht, das alles mit dem Beginn der Winterpause wieder herzugeben.
Ein Schreckmoment, der niemanden erschüttert
Die Ausgangslage war klar: Mit einem Sieg wollte Rapperswil-Jona die starke Vorrunde vergolden und sich gleichzeitig deutlich von den Abstiegsrängen distanzieren. Doch kaum war das Spiel angepfiffen, lag Luzern bereits vorne – ein Kaltstart nach Mass für die Gäste. Serena Li Puma traf in der 5. Minute und sorgte für kurzzeitiges Stirnrunzeln auf den Tribünen.
Was danach folgte, war sinnbildlich für das Wachstum dieser Mannschaft. Kein Hadern, kein Zittern – stattdessen «mutiger, klar strukturierter Fussball», wie es Sportchef Dario Semadeni nach dem Spiel ausführte. Die FCRJ-Frauen übernahmen sofort wieder die Kontrolle, erspielten sich Chance um Chance und liessen den Gegentreffer aussehen wie einen kleinen Betriebsunfall.
Der Lohn für den Offensivmut
Nach mehreren vergebenen Möglichkeiten fiel der Ausgleich in der 25. Minute: Paige Bailey-Gayle verwertete ein präzises Zuspiel von Zdravka Parapunova und brachte das Stadion erstmals zum Entzücken. Der FCRJ drückte nun, dominierte Luzern phasenweise nach Belieben. Als sich in der 38. Minute eine weitere Möglichkeit bot, war es Julia Ruf, die mit ihrem ersten AWSL-Tor die Wende perfekt machte – 2:1.
Ruf doppelt nach – und der FCRJ gerät in einen Flow
Nach der Pause zeigte Rappi, dass dieser Vorsprung nicht verwaltet, sondern ausgebaut werden sollte. Die Mannschaft spielte mit einer Leichtigkeit, die man vor wenigen Monaten noch nicht ansatzweise erahnen konnte. In der 68. Minute war es erneut Julia Ruf, die nach einer präzisen Flanke von Angelina Isufi per Direktabnahme zum 3:1 traf. Ein Treffer, der nicht nur schön, sondern vor allem sinnbildlich war für die neue Qualität in diesem Team.
Von hier an geriet der FCRJ ins Rollen: Kombinationen liefen flüssig, das Pressing griff, Luzern fand kaum mehr statt. Erst in der Nachspielzeit fiel das Tor zum 4:1, erneut durch Bailey-Gayle – die perfekte Krönung einer Energieleistung, herrlich vorbereitet von Frischknecht.
Ein Blick auf die Tabelle – und auf die Entwicklung
Die FCRJ-Frauen gehen damit auf Platz 7 in die Winterpause. Der Rückstand auf St. Gallen beträgt sechs Punkte, der Vorsprung auf die Abstiegsplätze komfortable neun. Doch wichtiger als jeder Tabellenwert ist das Gefühl, das dieses Team vermittelt: Es ist schon lange angekommen in der AWSL. Und mehr noch – es hält mit, es setzt Akzente, es fordert die Liga heraus.
Natürlich gab es Rückschläge, zwei bis drei Niederlagen, die man lieber vermieden hätte. Doch die starken Auftritte gegen Basel und Servette haben gezeigt, dass diese Mannschaft das Potenzial hat, auch Topteams ernsthaft zu beschäftigen.
Ein letztes Highlight vor der Pause
Bevor die Vorrunde endgültig ins Archiv wandert, wartet noch ein Leckerbissen: das Cup-Viertelfinale auswärts bei Servette Genf. Ein Härtetest, aber auch eine Chance, das Erarbeitete zu bestätigen – oder erneut zu übertreffen.
Eines ist sicher: Wer die FCRJ-Frauen in den letzten Wochen gesehen hat, weiss, dass sie bereit sind. Bereit, sich zu messen. Bereit, weiterzuwachsen. Bereit, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.