Vorschau AWSL: FC St. Gallen – FC Rapperswil-Jona, Samstag, 17.30 Uhr, Lidl Arena Wil
Wenn heute Abend um 17.30 Uhr in der Lidl Arena in Wil der Ball rollt, beginnt für die Frauen des FC Rapperswil-Jona nicht nur die zweite Saisonhälfte der Women’s Super League – sondern auch ein neues Kapitel. Eines, das zwischen Aufbruchsstimmung und Abschiedsschmerz steht. Zwischen ehrgeizigen Träumen von den Playoffs und dem nüchternen Fokus auf nachhaltige Entwicklung.
Stabilität als Fundament – und eine historische Chance
Rang sieben, neun Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz: Die Ausgangslage ist solide. Sie verschafft Luft – und gleichzeitig eine Perspektive, die es im Verein in dieser Form noch nie gab. Die erstmalige Qualifikation für die Playoffs ist greifbar.
Trainer Gerold Bisig betont denn auch eine Balance, die im modernen Frauenfussball entscheidend ist: Resultate ja – aber nicht um jeden Preis. Die Weiterentwicklung des Teams bleibt das strategische Schwergewicht. Genau hier liegt die Stärke der Rosenstädterinnen: Sie wachsen sichtbar, Schritt für Schritt.
Türkei, Teamgeist und taktischer Feinschliff
Die Winterpause war alles andere als ruhig. Ein Trainingslager in der Türkei diente nicht nur der Fitness, sondern auch dem Feinschliff im taktischen Bereich. Standardsituationen, Abstimmung zwischen den Linien und vor allem der Teamzusammenhalt standen im Zentrum. Ein klarer Testsieg gegen Wil unterstrich die Fortschritte.
Frische Kräfte – jung, hungrig, vielseitig
Die Winterpause brachte Bewegung ins Kader. Mit Manon Kellenberger (vom heutigen Gegner FC St. Gallen), Laura Kuzon von den Grasshoppers, Joy Lysser vom FC Zürich sowie Nerina Waldhart und der vom FCZ ausgeliehenen Larissa Uetz verpflichtete der Verein gezielt junge Spielerinnen. Ziel: mehr Breite, mehr Konkurrenz, mehr Dynamik – vor allem in Mittelfeld und Defensive.
Ein Abschied, der schmerzt
Doch jeder Neubeginn trägt auch einen Verlust in sich. Gianna Klucker, über Jahre Captain, Führungsspielerin und Identifikationsfigur, beendet nach 132 Partien und sieben Saisons ihre Zeit beim FC Rapperswil-Jona. Ihr Abgang hinterlässt eine Lücke – sportlich wie menschlich. «Sie hinterlässt ein grosses Loch».
Die Herausforderung besteht nun darin, Verantwortung neu zu verteilen. Leadership wird künftig breiter getragen werden müssen – vielleicht die grösste Bewährungsprobe dieser Rückrunde.
Derby-Charakter zum Auftakt
Der Startgegner könnte kaum passender sein: Tabellennachbar FC St. Gallen. Ein Duell auf Augenhöhe, mit zusätzlicher Brisanz durch mehrere Wechsel zwischen den Vereinen. Für die Neuzugänge bietet sich die Chance, sofort Akzente zu setzen – für das Team die Möglichkeit, die Winterarbeit direkt in Punkte umzuwandeln.
Zwischen Realität und Vision
Die Gleichung ist simpel – und doch anspruchsvoll: Weiterentwicklung plus Konstanz gleich historische Chance. Gelingt es den FCRJ-Frauen, die Energie der Vorbereitung auf den Platz zu bringen, könnte die Saison zu einer der bedeutendsten in der Klubgeschichte werden.
Der heutige Abend liefert die erste Antwort. Nicht nur auf die Frage nach Punkten – sondern auf die grössere: Wie weit kann dieses Team tatsächlich gehen?