Die Frauen des FC Rapperswil-Jona haben den grössten Umbruch der letzten Jahre hinter sich. Frauen-Sportchef Dario Semadeni erklärt, weshalb der Verein erstmals gezielt im Ausland rekrutierte, warum gute Talente den Klub bislang oft verliessen – und weshalb sich das jetzt ändern soll.
Dario, du hast den Kader in diesem Sommer kräftig umgebaut. War dieser Umbruch von langer Hand geplant?
Ja. Da wir im vergangenen Sommer noch lange in den Auf- und Abstiegsspielen engagiert waren, hatten wir nicht viel Zeit, unsere Mannschaft zu verstärken. Trotzdem ist es uns gelungen, eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz zu bringen. Wir hatten eine gute Saison, erreichten erstmals die Playoffs und erfüllten unsere Ziele.
Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass wir unseren Kader verstärken müssen, wenn wir den nächsten Schritt machen wollen. Hinzu kam, dass mehrere Leihspielerinnen zu ihren Stammvereinen zurückkehrten. Weil wir frühzeitig Planungssicherheit hatten, konnten wir bereits während der Playoffs intensiv am neuen Kader arbeiten. Ende April war unsere Planung praktisch abgeschlossen – und das verschafft einem auf dem Transfermarkt einen entscheidenden Vorteil.
Auffällig ist, dass du diesmal vermehrt im Ausland fündig geworden bist. Weshalb?
Der Schweizer Markt ist klein. Für einen Verein wie Rapperswil-Jona ist es schwierig, erfahrene Schweizer Spielerinnen zu verpflichten. Das hat nicht nur mit den finanziellen Möglichkeiten zu tun. Wer zwei-, dreimal gegen den Abstieg spielt, ist für viele Topspielerinnen schlicht wenig attraktiv.
Deshalb haben wir den Blick bewusst erweitert. Über mein Netzwerk und langjährige Kontakte zu Agenten konnten wir interessante Spielerinnen aus dem Ausland verpflichten. Entscheidend war aber nicht nur die Qualität. Wir wollten Persönlichkeiten, die sportlich und auch menschlich zu unserer Mannschaft passen. Deshalb haben wir viele Gespräche geführt, bevor wir uns entschieden haben.
Mit Sarah Frischknecht verliert der Klub gleichzeitig seine Captain. Wie schwer wiegt dieser Abgang?
Sarah hat den Verein über Jahre geprägt. Sie wollte sich den Traum erfüllen, im Ausland zu spielen, und erhält diese Chance nun bei Carl Zeiss Jena. Das freut uns sehr. Gleichzeitig sind wir ihr dankbar für alles, was sie für unseren Verein geleistet hat.
Verabschiedet sich der FC Rapperswil-Jona mit dem Umbruch vom Image des reinen Ausbildungsvereins?
Nein, überhaupt nicht. Die Nachwuchsarbeit bleibt unser Fundament. In der vergangenen Saison feierten bei uns vier Spielerinnen ihr Debüt in der Women’s Super League, eine von ihnen gehört inzwischen fest zum Kader. Dahinter stehen bereits die nächsten Talente, die wir Schritt für Schritt integrieren wollen. Natürlich ist es erfreulich, dass wir über einen Staff verfügen, der gewillt ist, jungen Spielerinnen eine Chance zu geben.
Aber wir wollen ihnen bessere Perspektiven bieten. Wenn ein Verein jedes Jahr gegen den Abstieg kämpft, verliert er zwangsläufig Spielerinnen. Genau das haben wir in den letzten Jahren erlebt. Talente, die wir ausgebildet haben, wechselten zu grösseren Klubs, weil sie dort grössere sportliche Chancen sahen. Das möchten wir ändern.
Was bedeutet das konkret für die sportlichen Ziele?
Wir möchten uns im gesicherten Mittelfeld etablieren und uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Unser Ziel ist es, nicht jede Saison gegen den Abstieg kämpfen zu müssen, sondern eine gewisse Konstanz und Stabilität zu erreichen. Gleichzeitig möchten wir den Abstand zur Spitze kontinuierlich verkleinern. Das ist ein langfristiger Prozess, aber wir wollen uns Jahr für Jahr verbessern und uns dadurch Schritt für Schritt näher an die Spitzenteams heranarbeiten.
Ist das der nächste Entwicklungsschritt des Vereins?
Genau. Wer sich dauerhaft im gesicherten Mittelfeld etabliert, wird automatisch attraktiver – für Spielerinnen, für Talente und auch für Sponsoren. Das ist unser Ziel.
Du investierst enorm viel Zeit in diese Aufgabe. Was reizt dich daran?
Es ist eine intensive Aufgabe, aber genau das macht ihren Reiz aus. Man kann hier wirklich etwas aufbauen. Ich habe das Glück, von meiner Familie grosse Unterstützung zu erhalten. Ebenso wichtig ist das Vertrauen, das ich vom Verein spüre. Wir können in Ruhe arbeiten und langfristig planen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Was dürfen die Fans in dieser Saison erwarten?
Wir wollen attraktiven Fussball zeigen und unsere Heimspiele zu einem Erlebnis machen. Wer zu uns kommt, soll nicht einfach nur ein Spiel sehen, sondern einen schönen Nachmittag verbringen – mit der Familie, mit Freunden und mit einer Mannschaft, mit der man sich identifizieren kann.
Und vielleicht ist genau das der spannendste Punkt: Wir wollen weiterhin Spielerinnen aus der Region den Weg in die Women’s Super League ermöglichen – aber künftig in einer Mannschaft, die nicht mehr ums Überleben kämpft, sondern selbstbewusst nach vorne schaut.
FC Rapperswil-Jona Frauen : Zugänge/Abänge
Zuzüge: Donika Deda (FC Aarau Frauen), Bergrós Ásgeirsdóttir (FC Aarau Frauen), Siv Schefer (FC St.Gallen 1879), Olivia Borgen (USA, Penn State University/USA), Sophie Profé (GER, Hamburger SV/GER), Nuria Ferrer (ESP, CE Europa/ESP), Anna Bové (ESP, CE Europa/ESP), Mackennzie Duff (USA, Clemson University/USA), Leyla McFarland (NIR, Durham City/ENG), Evdokia Popadinova (BUL, AEK Athen/GRE), Cecilia Way (CAN, VfL Bochum/GER), Ramona Kannady (GC Frauenfussball).
Abgänge: Nerina Waldhart (Jacksonville State University/USA), Julia Ruf (FC St.Gallen 1879), Laura Vogt (FC Luzern), Beatriz Nogueira (?), Joy Lysser (?), Livia Busin (?), Adelisa Hafizovic (Rücktritt), Aylin Yildirim (USA), Sina Spieser (Rücktritt), Christine Schärer (Rücktritt), Sarah Frischknecht (FC Carl Zeiss Jena/GER), Jessica Schärer (NLB).